Das Warenhaus
Palmström
kann nicht ohne Post
leben:
Sie ist seiner Tage Kost.
Täglich dreimal ist er
ganz
Spannung.
Täglich
ists der gleiche Tanz:
Selten hört er einen Brief
plumpen
in den Kasten breit und
tief.
Düster schilt er auf den Mann,
welcher,
wie man weiß, nichts dafür
kann.
Endlich kommt er drauf zurück,
auf das:
›Warenhaus für Kleines
Glück‹.
Und bestellt dort, frisch vom Rost
(quasi):
ein Quartal – ›Gemischte
Post‹!
Und nun kommt von früh bis spät
Post von
aller Art und Qualität.
Jedermann
teilt sich ihm mit,
brieflich,
denkt an ihn auf Schritt und Tritt.
Palmström
sieht sich in die Welt
plötzlich
überall hineingestellt...
Und ihm wird schon
wirr und weh...
Doch
es
ist ja nur das – ›W.K.G.‹
Christian Morgenstern
Morgensterns Gedichtbändchen „Palmström“ ist 1910 erschienen. An diesem Gedicht sieht man, wie sich die Zeiten ändern (die Post kam dreimal täglich), die Menschen aber immer noch die gleichen Wünsche und Hoffnungen haben: bemerkt zu werden, anderen etwas zu bedeuten, heute allerdings in elektronischer Form, dabei von viel Spam belästigt.